Mit den Augen lächeln

Auf ein Wort

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Paderborn

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Paderborn

„Maske auf und durch.“ Zu diesem Ergebnis kommt so manches Gespräch in diesen Zeiten. Das meint in der Regel, wir können ja doch nichts tun, und so begegnen wir den Auflagen in der Pandemie mit Fatalismus. Besser als sich nicht an die Regeln zu halten und andere zu gefährden ist das allemal. Aber vielleicht gibt es ja doch noch etwas, was wir beeinflussen können und uns das Leben leichter macht? Ich habe mich mal umgeschaut in der Maskenwelt und die sonderbarsten Exemplare entdeckt: Da gibt es Masken mit Blümchen oder auch mal einen lachenden Mund. Eine schöne Idee fand ich zunächst, aber da fehlt doch was. Der Bereich oberhalb der Nase sollte vielleicht auch lächeln, das sieht doch sonst komisch aus, oder nicht? Aber können wir das Coronavirus und die Auswirkungen auf die Menschen einfach so weglächeln? Wohl eher nicht, aber wir können uns diese Zeit angenehmer machen und uns von unserer besten Seite zeigen, z.B. mit den Augen lächeln. Das könnte gerade mit einer Maske, die Mund und Nase bedeckt, gut gelingen. Die Augen, die Ohren und das Gehirn sind ja noch frei. Wir können besser sehen und wirklich zuhören.

Ich begegne fremden Menschen mit einer Maske, halte Abstand und trotzdem bin ich ihnen nahe, denn ihr Maskengesicht spiegelt meines. Und ihre Verletzlichkeit ist genauso gut meine. Ich kann nachdenken über meine Verletzlichkeit, über meine Belastung und auch über meine Endlichkeit. Vielleicht löst das zunächst eine große Verunsicherung aus und möglicherweise auch Angst. Aber durch die Begegnung mit dem Menschen hinter der anderen Maske erkenne ich unsere menschliche Schicksalsgemeinschaft, und das wiederum löst Solidarität aus. Da ist einer oder eine so verletzlich wie ich.

Wir sind nicht alleingelassen mit unserem Schicksal und unserer Angst, nicht von den Menschen und nicht von Gott. Jesus Christus ist für uns Christen Vorbild und Weggefährte, auch in Verzweiflung und Furcht. Gott, der selbst Mensch war, begleitet uns und lädt uns Menschen ein. So heißt es im Matthäus-Evangelium „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Da ist jemand, der mich einlädt, obwohl ich mies drauf bin, da ist jemand, der mir zuhört, auch wenn ich nur klage. Unsere Sorgen können wir in der Tat nicht weglächeln oder hinter einer Maske verbergen, aber wir können sie aussprechen und dadurch besser mit ihnen umgehen. „Maske auf ..“! Es gibt viel zu entdecken!

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde Paderborn (ESG)

Der Beitrag ist erschienen in der Reihe „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 25. September 2020.