“Mittendrin” von Pfarrer Dr. Eckhard Düker

Das Licht nicht auslöschen

Pfarrer Dr. Eckhard Düker. Foto: Diana-Jill Mehner

Pfarrer Dr. Eckhard Düker. Foto: Diana-Jill Mehner

In der Ausstellung „Leben am Toten Meer“, die derzeit im Museum in der Kaiserpfalz zu sehen ist, werden auch einige Öllämpchen aus Ton aus der Antike gezeigt. Sie waren eine weit verbreitete Lichtquelle. Man kann sich vorstellen, wie gefährdet die Flamme war, wenn ein Windhauch über sie hinweg zog. Schnell konnte die Flamme verlöschen und der Docht verglimmen. Bis heute verwenden wir das Bild vom verlöschenden Licht in unserer Sprache als Zeichen für schwindende Kräfte, für ein nahendes Ende.
Das biblische Wort für diese Woche lautet: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42,3) Es gibt Situationen, in denen wir uns „geknickt“ fühlen oder die Flamme der Hoffnung in uns erlischt:  Wenn Menschen ihre Gesundheit und Lebenskraft verlieren. Wenn enge Beziehungen zu zerbrechen drohen. Wenn die berufliche Existenz gefährdet ist. In solchen Situationen suchen wir nach dem, was uns Kraft gibt und was uns aufrecht erhält. Es können Menschen sein, die uns den Rücken stärken in einer bedrohlichen Lage. Es kann ein helfendes Gespräch mit jemandem sein, dem wir vertrauen. Eine Auszeit in einer stressigen Situation. Vielleicht ein Gottesdienst, ein Gebet, eine Stille, in der wir zur Ruhe kommen. Gerade jetzt, inmitten der Corona-Pandemie brauchen wir solche Momente der Stärkung und Vergewisserung. Sie sind wichtig für unser seelisches Immunsystem. Es ist tröstlich, wenn wir spüren, dass das geknickte Rohr nicht zerbrochen und der glimmende Docht nicht ausgelöscht wird.

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof-Pfarrbezirk der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn.
Der Beitrag ist erschienen in der Reihe „Mittendrin“ im Westfälischen Volksblatt Paderborn am Samstag, 29. August 2020.