Ökumenischer Arbeitskreis „Kirche neu“ Schloss Neuhaus mit Programm „Freiheit“

Kulturnacht nicht live - aber Vorschau

Asifa aus der Serie Flüchtlingskinder von Dave Lubek

 SCHLOSS NEUHAUS – Seit 2010 hat sich in Schloß Neuhaus die Tradition der Kulturnacht entwickelt. Der ökumenische Arbeitskreis „Kirche neu“ der Evangelischen Kirchengemeinde und der Katholischen Pfarrei Hl. Martin organisieren das Ereignis für die Kirchengemeinden abwechselnd in den Schloß Neuhäuser Kirchen. Angesprochen werden damit besonders Interessierte, die sonst so leicht nicht zur Kirche kommen. Am 7. November 2020sollte in der Christuskirche die 11. Kulturnacht starten. Auch hier hat die Entwicklung der Pandemie einen Strich durch die Planung gemacht. Der Arbeitskreis verschiebt und hofft, das vorbereitete Programm mit den beteiligten Kulturschaffenden im Frühjahr 2021 nachholen zu können.

Thema „Freiheit“

Als kleiner Vorgeschmack wurden einige Höhepunkte – nicht live – aber im Westfälischen Volksblatt Paderborn gezeigt (und jetzt auch hier) Leitthema sollte sein und ist „Freiheit“. Auf die Idee kam der Arbeitskreis „Kirche neu“ durch das Jubiläum der Schrift Martin Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, die er genau vor 500 Jahren im November 1520 veröffentlichte. Er beschrieb darin u.a. das Leben des Christen als Bewegung zwischen den zwei Polen der von Gott geschenkten Freiheit und der Zuwendung zu den Mitmenschen, die durch diese Freiheit beflügelt wird. Diese Gedankenwelt wird ein Theologe in seinem Statement näher beleuchten.

Ganz aktuell ist das Thema in der Reaktion auf die Corona Pandemie. „Freiheit, Freiheit“ skandieren Protestierende oft gegen die angeordneten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Zum Verhältnis zwischen Freiheit und Verantwortung werden anregende Aphorismen eingespielt. Zur Presse- und Meinungsfreiheit gibt es den Impuls einer Redakteurin. Und dann zur Un-/freiheit in der Strafhaft: Als Vertreterin der Justizvollzugsanstalt Hövelhof wird die Diplom-Sozialarbeiterin Christine Thurow mit einem jungen Inhaftierten mitwirken. Der Jugendstrafgefangene berichtet von seinem Alltag in Haft sowie seinem persönlichen Empfinden der Einschränkung seiner Freiheit, die nicht nur mit seinem Eingesperrt sein im Hafthaus zu tun hat, sondern auch weitere Aspekt seines Lebens betrifft.

Freude von Wicher Broer

Schauspiel

Dr. Daniel Thierjung vom Theater Paderborn wird ein  Statement zur künstlerischen Freiheit abgeben. Dazu gibt es weiter unten einen kurzen Vorgeschmack.

Als Schauspielende sind diesmal Tatjana Poloczek und Stephan Weigelin dabei. Sie spielen u.a. eine Passage aus der in Paderborn laufenden „Antigone“ zum Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ und aus dem aktuellen Theaterstück „Gott“ von Ferdinand v. Schirach zur Frage: Darf der Mensch entscheiden, wie er sterben will? Ist das unsere letzte Freiheit? Sind wir das Maß aller Dinge?

Musik der Kulturnacht

Die Paderborner Gruppe “Sonnentau” wird Klassiker singen: “Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein”, Marius Müller-Westernhagens “Freiheit” sind dabei – wie auch das Kirchenlied „Die ganze Welt hast du uns überlassen“. Dessen Refrain lautet: “Gott schenkt Freiheit, seine größte Gabe gibt er seinen Kindern.” Das Duo Felix Gerhart (Posaune) und Gülce Baysal-Gerhart (Cello) plant zur Freiheit u.a. Beethovens Egmont Ouvertüre. In ihr zeigt sich der Freiheitsgedanke als Grundströmung im Werk Beethovens.

Tanz mit der Sonne von Heinz-Dieter Voskamp

Fotos von „Cheezze“

Vom „Verein Cheezze” werden Fotos gezeigt, die die Freiheit widerspiegeln. „Cheezze“ widmet sich dem Medium Fotografie in wechselnden Ausstellungen an unterschiedlichen Orten in der Stadt Paderborn. „Wir fördern junge Talente und unterstützen sie gemeinschaftlich“, sagt der Vorsitzende Tobias Vorwerk. Ziel des Vereins sind regelmäßige Ausstellungen im Jahr sowie Workshops und Vorträge zum Thema Fotografie. Im Jahr 2019 hat der Verein erstmals den „Young Cheezze Award für Fotografie“ durchgeführt, bei dem es darum ging, junge Fotografinnen und Fotografen bei ihrem Weg in die Öffentlichkeit zu unterstützen sowie Paderborns Kulturszene mit neuen Projekten und Ausstellungen zu bereichern. „Wir sind immer offen für neue Mitglieder“, sagt Vorwerk. Dabei sei es egal, ob man selbst fotografiere oder einfach nur Interesse an Ausstellungen oder der Kulturszene habe. Interessierte erhalten im Internet unter www.cheezze.de mehr Informationen zum Verein. Vier Fotos werden hier schon einmal gezeigt.

Auf all das und mehr können sich die Interessierten der Kulturnacht nun hoffentlich im kommenden Jahr freuen.

Die Mitglieder des AK „Kirche neu“ Schloß Neuhaus

Auszüge aus dem Programm:

Die Freiheit der Kunst oder Drei wertvolle Sekunden

„Jeder kennt das: Ein Satiriker macht einen Witz, den man überhaupt nicht lustig findet. Sofort wallt Empörung im limbischen System auf: „Muss denn sowas sein!“ Ungefähr drei Sekunden später könnte der präfrontale Cortex ein Wörtchen mitreden und die Reflexion beginnen: „Ok, mir gefällt das nicht, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. Und wer weiß, vielleicht ist der Witz nicht schon deswegen schlecht, weil er auf Kosten meiner Gruppenzugehörigkeit geht.“ Wenn der Frontallappen sich aber gerade in der Mittagspause befindet, geht es eher so weiter: „Das gehört verboten!  Wer ist dieser satirische Schuft? Ich werde einen empörten Internetkommentar verfassen und fordern, er soll von allen Veranstaltungen ausgeladen werden!“ Wenn´s ganz schlecht läuft, feuert die Amygdala auch noch ins System und die Empörung wird zu Hass. Dann stecken hinter jedem missliebigen Kunstwerk wahlweise Vaterlandsverräter, Ungläubige, links-grün Versiffte oder Nazis – je nachdem, in welchem ideologischen Bunker man sich verschanzt hat.

Lassen Sie es nicht soweit kommen und nehmen Sie sich drei Sekunden!“

Dr. Daniel Thierjung, Dramaturg und Stellvertreter der Intendanz in künstlerischen Fragen, Theater Paderborn – Westfälische Kammerspiele

 

Zehn Aphorismen

 

  • Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten. – Albert Camus

 

  • Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. – Immanuel Kant

 

  • „Die meisten Menschen wollen nicht wirklich Freiheit, denn zur Freiheit gehört auch Verantwortung – und davor fürchten sich die meisten Menschen.“ Sigmund Freud

 

  • Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit. – 2.Kor 3,17

 

  • Wo Gott ist, da ist Freiheit. – Oskar von Miller

 

  • Es gibt keine Freiheit ohne Liebe. Der Mensch ist zur Freiheit berufen – Johannes Paul II.

 

  • Die Freiheit ist der Atem des Lebens. – Alfred Delp

 

  • Der Geburtsname von Freiheit ist Verantwortung. – Manfred Hinrich

 

  • Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst, durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Carl Friedrich v. Weizäcker

 

  • Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!
    Danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!
    Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand.
    Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland! –
    Hoffmann v. Fallersleben

Wilde Jagd von Heinz-Dieter Voskamp