Superintendent wünscht mehr Weihnachtsmomente im Alltag

Weihnachten drückt Sehnsucht nach Veränderung zum Guten aus

Superintendent Volker Neuhoff

„Die Engel sind verteilt auch über das Jahr“, so Superintendent Volker Neuhoff in seiner Weihnachtspredigt.
Foto: Heide Welslau

KREIS PADERBORN/KREIS HÖXTER – „Sohn Gottes in der Höh, / nach dir ist mir so weh. / Tröst mir mein Gemüte, / o Kindlein zart und rein, / durch alle deine Güte, / o liebstes Jesulein. / Zieh mich hin zu dir, / zieh mich hin zu dir“,
diese Strophe aus dem Kirchenlied „In dulci jubilo“ stellt der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Volker Neuhoff, in den Mittelpunkt seiner Weihnachtspredigt am 25. Dezember in der Abdinghofkirche Paderborn. Corona-bedingt findet kein Präsenzgottesdienst statt. Die Feier kann auf dem YouTube-Kanal des Abdinghofbezirks der Evangelisch-Lutherischen-Kirchengemeinde Paderborn mitverfolgt werden: YouTube-Kanal Abdinghof

„Der Text könnte eine Auffrischung vertragen, veraltet jedoch kommt mir der Inhalt des Liedes keineswegs vor“, stellt der Superintendent fest: „Tröst mir mein Gemüte“  – dieser Wunsch erscheine auch heute zutreffend: „Denn der Corona-Virus und seine Folgen gehen ans Gemüt. Wir blicken auf Inzidenzwerte, hören Berichte von Pflegern und Ärztinnen über Schwerstkranke und Sterbende und vom drohenden Kollaps der Krankenhäuser. So vieles wird abgesagt und verschoben, verboten und empfohlen. Selbst zu Weihnachten“, beschreibt Neuhoff die bedrohliche Situation. Mindestens schränke Corona die eigene Freiheit zur Bewegung und Begegnung ein, im Äußersten könne es töten. Das schlage aufs Gemüt.
„Denen, die das alles an sich herankommen und nicht an Aluhut oder Unverfrorenheit abprallen lassen oder mit absurden Verschwörungsfantasien wegpolemisieren, setzt es zu“, so Neuhoff. Der Virus zeige uns, wie verletzlich wir sind. Wir würden zurückgeworfen auf grundlegende menschliche Verhaltensweisen, die „zwischen gemeinschaftlichem und asozialem Verhalten, zwischen Unsicherheit und Aggression changieren. Bei Querdenkern und bei Nachdenkerinnen“.
Corona lasse uns spüren: „Das grenzenlose Alles-ist-möglich und Ich-will-alles-und-zwar-sofort erlebt ein Herunterfahren ungeahnten Ausmaßes. Wo liegt die Grenze der Reduktion auf das Wesentliche? Birgt sie gar eine Chance?“ Tief im Inneren sei die Ahnung da, „dass kein Impfstoff dieser Welt die existentiellen Fragen, die die Pandemie aufwirft, lösen wird“. Er werde Menschen helfen, nicht krank zu werden. Aber er werde die Welt nicht heil machen.
„Corona hat zugespitzt, was längst da war“, stellt der Superintendent fest und nennt die schon vor Corona tagtägliche Bedrohung von Millionen von Menschen durch Krieg, Flucht, Hunger und Klimaveränderung.
Die hoch emotionalisierte Stimmung zu Weihnachten trage „Züge von einem Schutzmechanismus und zugleich von einer tiefen Sehnsucht“: „Wir wünschten, es wäre mit einem Mal alles in Ordnung. Weihnachten muss einfach gut werden! Wir wollen Ruhe und Frieden und unsere Lieben sehen“, gibt Neuhoff die Gefühle vieler Menschen wieder. Die Sehnsucht nach Veränderung zum Guten entdeckt Superintendent Neuhoff  in jenem alten Lied aus dem 14. Jahrhundert „In dulci jubilo“. Statt „nach dir ist mir so weh“ werde heute vielleicht gesagt oder gedacht „Ich brauche dich“, „Hilfe!“ oder  „Gott, wo bist du?“
Dieses Sehnen und Flehen finde eine Resonanz in dem symbolischen Weihnachtsfest und der biblischen Botschaft von der Geburt Jesu. Die Menge der himmlischen Heerscharen, die Engel, seien einzeln verteilt auch über das Jahr und an vielen Orten erfahrbar, um von Gott anzukündigen: „Fürchtet euch nicht!“ und „Euch ist heute der Heiland geboren“ und „Friede sei mit euch“.
Die weihnachtliche Geburt wolle uns aus der Trostlosigkeit herausreißen. Unsere Sehnsucht habe eine Perspektive – in der Geburt des Gottessohnes und „durch alle seine Güte“. Gott bleibe nicht auf Abstand. Komme uns nahe. Hinein in die Krankheit und Verlorenheit unserer Welt. „Das beginnt mit dem neugeborenen Kind, dem Christkind. Jesus Christus zieht unser beschwertes Gemüt aus der Tiefe empor, tröstet, wo wir nach Trost suchen“, so Neuhoff.
Zu Weihnachten gehe es zuallererst um unsere Gottesbeziehung. „Das Ich und Du zwischen Gott und Mensch überträgt sich dann in unser Leben. Es weitet unseren Blick. Wenn wir uns nicht distanzieren von den Freuden und Sorgen und Nöten der Welt um uns herum, dann wird Weihnachten – auch mitten im Jahr und nicht allein an einem symbolischen Datum. Solche Weihnachtsmomente waren auch in den letzten Monaten zu entdecken. Wir brauchen mehr davon“, darauf hofft der Superintendent und wünscht den Menschen Trost und Stärkung durch Gottes Nähe und Güte und „Gesegnete Weihnachten!“

Die ungekürzte Weihnachtspredigt von Volker Neuhoff,  Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn: Weihnachtspredigt zum download