Abschied ist auch ein Neubeginn

Diakonissen-Schwestern des Zionsbergs übergeben ihr Kloster an neuen Eigentümer

Zwei Personen übergeben symbolische Schlüssel in einer Kirche.

Pastor Lukas Kwon und Schwester Marika Haack vollziehen die feierliche Schlüsselübergabe.
Foto: Burkhard Battran

Von Burkhard Battran

Scherfede. Beim 50-jährigen Jubiläum 2022 haben sie noch vor dem Altar der Scherfeder Pfarrkirche einen kleinen Tanz aufgeführt. Aber da waren die ältesten Schwestern ja auch erst knapp Mitte 80. Jetzt sind sie eher Ende 80 – und auch mit dem Tanzen ist es so eine Sache geworden. Aber wunderschön Psalmen singen, das können sie immer noch. Mit einem feierlichen Übergabegottesdienst hat die evangelische Diakonissen-Kommunität Zionsberg Scherfede jetzt die Übergabe des Hauses gefeiert. Ein Abschluss, der ein Neubeginn ist. Zwar ziehen sich die Schwestern aus dem Betrieb des Hauses mit Gästebetten für 24 Personen zurück, aber sie bleiben vor Ort und begleiten die Arbeit auch weiter. Denn die freikirchliche koreanische Gemeinschaft „Bring Up International“ wird das Haus in einem christlichen Auftrag weiter nutzen.

„Die Diakonissen sind uns liebevolle Mütter und Schwestern. Wir sind froh, dass sie mit ihrem Rat und ihrem Glauben auch unsere Arbeit mit begleiten werden“, sagte Bring-Up-Pastor Young Jin „Lukas“ Kwon (69). Beim Festgottesdienst übergab Schwester Marika Haack, die mit 65 Jahren die jüngste Diakonissin der Gemeinschaft ist, einen großen Schlüssel an Pastor Lukas und seine Familie als Zeichen, dass Eigentum und Verantwortung nun auf die neue Organisation „Bring Up Deutschland“ übergehen. Gleichzeitig erhielt sie von Pastor Lukas Kwon einen kleinen Schlüssel zum Zeichen für ihr lebenslanges Bleiberecht auf dem Zionsberg.

Die Diakonissen und Pastor Lukas hatten im vergangenen Sommer über einen Besucher, der Kwon auf die Kloster-Anlage zwischen Rimbeck und Scherfede aufmerksam machte, zueinandergefunden. Danach ging alles sehr schnell. „Fünf Jahre lang hatten wir viele Gespräche geführt und Angebote geprüft und waren zwischendurch auch wirklich verzweifelt. Aber hier haben wir sofort gespürt, dass es sich richtig anfühlt“, sagte Schwester Marika Haack.

Beteiligte Personen stehen vor einer Kirchentür und winken.

Große Freude über die Gründung der neuen Zionsberg-Gemeinschaft in Scherfede.
Foto: Burkhard Battran

Superintendent Volker Neuhoff der gemeinsam mit Pastor Markus Pape den Gottesdienst zelebrierte, lobte die Tatkraft der Diakonissen. „Sie haben immer daran geglaubt, dass Gott ihnen den Weg weisen wird, und haben nun dafür gesorgt, dass, statt eine Tür zu schließen, eine neue Tür aufgetan wird“, sagte er.

Die Geschichte des Zionsbergs in Scherfede beginnt in den 1950er-Jahren. Von Rimbeck aus hatten sich zwei aus dem Mutterhaus in Bielefeld-Bethel entsandte Schwestern in der diakonischen Arbeit für evangelische Flüchtlinge engagiert. Hinzu kam der Aufbau einer Pflegevorschule. 1972 gründeten sie die Diakonissen-Kommunität Zionsberg als ein Haus für Menschen, die nach innerer Einkehr und Stille suchen. Zum Angebot der Schwestern gehören seither der Austausch über geistliche Themen und die Meditation, aber auch Gesprächsbegleitung für Menschen, die nach Orientierung suchen. Das wird so bleiben. Bleiben wird der sonntägliche Gottesdienst um 10 Uhr in der Hauskapelle. Er wird abwechselnd von Pastor Lukas und den Diakonissen gestaltet.

Landrat Michael Stickeln hob hervor, dass diese Übergabe kein Abschied, sondern ein Neuanfang sei. „Dass mit Bring Up International eine Organisation aus Korea hier ihre erste deutsche Wirkungsstätte findet, ist ein besonderes Zeichen für Vertrauen, für Mut und für die verbindende Kraft des Glaubens“, sagte er. Warburgs Bürgermeister Tobias Scherf verwies auf die Weltoffenheit der Hansestadt Warburg, die mit der Wirkungsstätte auf dem Zionsberg bereichert werde.

An der Gestaltung des Festgottesdiensts waren Kantorin Christina Wienroth an der Orgel, Kirchenmusiker Dennis Pape mit dem Posaunenchor Brakel, Bratschist Detlef Grooß vom Mannheimer Nationaltheater, die Berliner Sopranistin Ji-Sun Kim sowie singende und Gitarre spielende Freundinnen der Diakonissen-Schwestern beteiligt.

Das gelbe Klostergebäude auf dem Zionsberg.

Vor 54 Jahren ist die Diakonissen-Kommunität Zionsberg in Scherfede bei Warburg gegründet worden.
Foto: Burkhard Battran