Dr. Adelheid Ruck-Schröder besuchte persischsprachige Gemeinde
Sehnsucht nach Versöhnung und Frieden

Entzündeten Kerzen für die ermordeten Menschen im Iran: (v. l.) Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder, Pastor Mehrdad Sepehri Fard, Superintendent Dr. Manuel Schilling (Ev. Kirchenkreis Soest-Arnsberg), Superintendent Volker Neuhoff (Ev. Kirchenkreis Paderborn), Pfarrer Felix Klemme und Superintendent Michael Mertins (Ev. Kirchenkreis Minden).
Foto: EKP/Jan-Hendrik Noll
Paderborn. Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, hat ein Zeichen der Verbundenheit mit dem iranischen Volk gesetzt. Sie besuchte am Sonntag, 22. März 2026, einen Gottesdienst für persischsprachige Christinnen und Christen im Paderborner Lukas-Gemeindezentrum. Anlass des zweisprachigen Gottesdienstes war das persische Neujahr (Nowruz).
„Es ist ein fröhliches Fest im Angesicht von Gewalt, im Angesicht der Bilder junger Menschen, die ihr Leben gelassen haben“, sagte die Präses. „Wir als Evangelische Kirche von Westfalen teilen die Trauer und die Sehnsucht, die sowohl Iraner*innen als auch Exil-Iraner*innen erfüllt, nach einem Zerschlagen des totalitären Regimes im Iran. Wir teilen zugleich die Sehnsucht nach Versöhnung zwischen Ländern, Völkern, Religionen im Nahen und Mittleren Osten. Das ist nicht nur ein sehnsüchtiges Gefühl. Die andauernde Infragestellung des Existenzrechts Israels durch das iranische Regime mit allen Folgen lässt eine Versöhnung in weite Ferne rücken“, betonte Ruck-Schröder. Sie äußerste die Sorge, dass das Bombardement durch die USA und Israel weder den Sturz des Regimes noch Frieden und Versöhnung leisten werde. Es drohe ein Flächenbrand in der Region und eine Hungerkatastrophe für viele Menschen.
Präses Ruck-Schröder dankte allen persischsprachigen Christinnen und Christen in Westfalen: „Sie bereichern unsere westfälische Kirche, Sie machen unsere Kirche vielfältiger und zeigen uns, wie Christsein in dieser Situation gelebt werden kann.“
Zu dem Solidaritätsgottesdienst hatte die „Fachstelle Seelsorge für persischsprachige Christen“ eingeladen. Das persische Neujahr begann am 20. März. Seit vielen Jahrhunderten feiern Iranerinnen und Iraner diesen Tag mit großer Freude und Hoffnung. Nowruz gehört zu den wichtigsten und ältesten Traditionen der iranischen Kultur.
Der Gottesdienst war besonders den Menschen gewidmet, die für die Freiheit Irans und für den Erhalt der iranischen Kultur ihr Leben verloren haben und vom islamischen Regime getötet wurden. Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher hatten Kerzen mitgebracht, die im Gottesdienst entzündet wurden. Zehntausende junge Menschen wurden bei den Protesten am 8. und 9. Januar 2026 auf brutale Weise getötet. Rund 50.000 Menschen wurden verhaftet und viele von ihnen zum Tode verurteilt.
„Heute erinnern wir uns auch an diejenigen, die in den Jahren der Unterdrückung im Iran ihr Leben verloren haben. Menschen, die für Freiheit standen. Menschen, die die Wahrheit aussprachen. Menschen, die für die Würde des Menschen einen hohen Preis bezahlt haben“, sagte Pastor Mehrdad Sepehri Fard von „Fachstelle Seelsorge für persischsprachige Christen“ in seiner Predigt über die Offenbarung des Johannes (Offenbarung 21,1).
Mit Blick auf eine Welt voller Krieg, Ungerechtigkeit, Gewalt und Unterdrückung betonte Sepehri Fard die Hoffnung durch die biblische Botschaft: „Die Geschichte der Welt endet nicht so, wie die Nachrichten es uns oft glauben lassen. Gott hat eine andere Zukunft für diese Welt.“ Der Gott der Bibel sei kein Gott der Zerstörung, er sei ein Gott der Erneuerung. „Gott erneuert die Geschichte selbst“, so Sepehri Fard. Die Zukunft liege nicht in den Händen von Tyrannen, die Zukunft liege in den Händen Gottes.
Die „Fachstelle Seelsorge für persischsprachige Christen“ hat ihren Sitz in Paderborn. Als Seelsorger betreut Pastor Mehrdad Sepehri Fard persischsprachige Christinnen und Christen in Westfalen. Der evangelische Theologe stammt aus dem Iran. Beteiligte Partner sind mehrere evangelische Kirchenkreise, das oikos-Institut für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen und die Landeskirchliche Gemeinschaft Rheine. Finanziert wird die Fachstelle aus Mitteln des Ökumene-Fonds.