Kalendarischer Gleichklang von Fastenzeit und Ramadan

Juniorprofessor Dr. Idris Nassery hielt einen Vortrag auf der Pastoralkonferenz

Die Teilnehmenden sitzen an Tischen in einem Konferenzraum.

Juniorprofessor Dr. Idris Nassery (r.) sprach auf Einladung von Superintendent Volker Neuhoff (l.) auf der Pastoralkonferenz des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn.
Foto: EKP/Oliver Claes

Paderborn/Kirchenkreis (ekp). Im diesem Jahr 2026 begannen die christliche Fastenzeit und der islamische Fastenmonat Ramadan am selben Tag. Aus Anlass dieses Gleichklangs hatte Superintendent Volker Neuhoff Juniorprofessor Dr. Idris Nassery vom Institut für Islamische Theologie der Universität Paderborn zu einem Vortrag in die Pastoralkonferenz des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn eingeladen. Damit sollte zu Beginn der beiden Fastenzeiten ein Akzent gesetzt werden, so der Superintendent.

Dass zum ersten Mal seit acht Jahrzehnten der Beginn der christlichen Fastenzeit und des islamischen Fastenmonats Ramadan wieder auf denselben Tag fallen, ist für Juniorprofessor Dr. Nassery mehr als eine „kalendarische Kuriosität“, sondern ein „symbolischer Moment“ und eine „theologische Verdichtung“. Fasten sei in beiden Traditionen kein bloßes Ritual, sondern eine geistliche Unterbrechung im Alltag.

In seinem Vortrag „Ramadan als Provokation“ beschrieb Nassery die Dimensionen des Fastens auf verschiedenen Ebenen. Das Fasten erinnere zum einen den Menschen daran, dass er ein bedürftiges Wesen bleibe. Der eigene Mangel öffne zudem den Blick für den Mangel anderer. „Ohne Gerechtigkeit verkommt das Fasten zur bloßen Diät. Deshalb ist Wohltätigkeit eng mit dem Ramadan verbunden“, erklärte Nassery. Das Fasten wirke zum anderen hinein in die ökonomische Ordnung. Es entziehe sich, so Nassery, symbolisch der wirtschaftlichen Logik des „Immer mehr“. Die Provokation des Ramadan richte sich im politischen Bereich gegen Maßlosigkeit und gegen die Normalisierung von Ungerechtigkeit.

„Beide religiösen Traditionen richten den Blick nach innen, um Verantwortung nach außen zu tragen. Beide Traditionen erinnern daran, dass der Mensch nicht die Norm setzt“, beschrieb Nassery die Gemeinsamkeit des Fastens im Christentum und im Islam. Für ihn ist das Fasten keine rein körperliche Praxis, sondern die Einübung des Bewusstseins, um die innere Achtsamkeit gegenüber Gott zu schärfen.

An den Vortrag schloss sich ein reger Austausch an, in dem deutlich wurde, dass die Teilnehmenden die Begegnung als bereichernd empfunden haben.

Juniorprofessor Dr. Idris Nassery studierte Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bielefeld. 2019 hat er das Rechtsreferendariat am Oberlandgericht Düsseldorf abgeschlossen. Zwischen 2013 und 2019 war er am Graduiertenkolleg Islamische Theologie sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Paderborn beschäftigt. 2017 schloss er seine Promotion ab. Seit Oktober 2019 leitet er den Fachbereich „Islamische Normlehre“ und seit Oktober 2021 ist er als Juniorprofessor für Islamische Rechtswissenschaften am Institut für Islamische Theologie an der Universität Paderborn tätig.

Der Referent und Zuhörende in einem Konferenzraum.

Für Juniorprofessor Dr. Idris Nassery (r.) erinnert das Fasten im Christentum und im Islam daran, dass nicht der Mensch die Norm setzt.
Foto: EKP/Oliver Claes