Kirchenkreis Paderborn will Strukturen grundlegend verändern
Letzte Synode mit Superintendent Volker Neuhoff stand im Zeichen von Transformation und Abschied

Jürgen Engelmann (4. v. l.) wurde als Zweiter Synodalältester im Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn verabschiedet. Danke sagten die KSV-Mitglieder (v. l.) Superintendent Volker Neuhoff, Scriba Patrizia Müller; die Synodalältesten Rolf Hellweg, Sonja Heine, Irmgard Alboth, Evelyne Schubert und Synodalassessor Gunnar Wirth.
Foto: EKP/Oliver Claes
Paderborn/Kreis Höxter (ekp). Der Evangelische Kirchenkreis Paderborn will seine Strukturen grundlegend verändern. Die Kreissynode beauftragte bei ihrer Tagung im Paderborner Lukaszentrum die Arbeitsgruppe Transformation, bis zur nächsten Synode im November 2026 drei mögliche Szenarien zu entwickeln. Es geht um die Frage, wie die 13 Kirchengemeinden mit ihren 70.000 Gemeindegliedern, die in drei Regionen zusammenarbeiten, zukünftig aufgestellt werden.
Ein Kirchenkreis, der unterwegs geblieben ist
In seinem letzten Bericht an die Synode blickte der in den Ruhestand gehende Superintendent Volker Neuhoff zurück. „Die vergangenen zehn Jahre waren geprägt von Veränderung. Manche davon haben wir bewusst gestaltet. Andere kamen plötzlich über uns“, sagte Neuhoff unter anderem mit Blick auf die wachsende Entsolidarisierung in der Gesellschaft, die sinkenden Mitgliederzahlen der Kirche und die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.
Die Frage nach der Relevanz von Kirche habe sich durch nahezu alle seine Berichte gezogen. Sie werde den Kirchenkreis weiter begleiten, ist der Superintendent überzeugt. Er habe immer wieder vor Resignation und Verzagtheit gewarnt, erinnerte Neuhoff und verwies darauf, dass in den Kirchengemeinden und im Kirchenkreis mutig neue Wege gegangen wurden und Kirche draußen sichtbar wurde. „Wenn ich auf meine zehn Jahre als Superintendent zurückblicke, dann sehe ich keinen perfekten Weg. Aber ich sehe einen Kirchenkreis, der unterwegs geblieben ist.“
„Alle Gemeinden sind in Bewegung – in unterschiedlichen Geschwindigkeiten“, fasste Synodalassessor Gunnar Wirth die Berichte aus den Kirchengemeinden zusammen. Die Situation in den Gemeinden sei geprägt von der Sorge über den Verlust von Gebäuden und gesellschaftlicher Relevanz, aber auch von der Freude an der Gemeinschaft und dem Bewusstsein, dass es für die Menschen einen Unterschied mache, ob es die Kirchengemeinden gebe oder nicht.
Wechsel im Kreissynodalvorstand
Die Synodalen verabschiedeten Jürgen Engelmann (Erlöser-Kirchengemeinde am Sintfeld) als Zweiten Synodalältesten. Nach 22 Jahren als ehrenamtliches Mitglied im Kreissynodalvorstand (KSV) hatte er seinen Rücktritt erklärt. Engelmann war seit 2000 Mitglied der Synode und seit 2004 Mitglied im KSV. „Sein Wort hatte Gewicht“, erklärte Synodalassessor Gunnar Wirth. Engelmann habe die Fähigkeit, Brücken zu bauen und Menschen aufeinander zu zubewegen. Mit seiner zugewandten, offenen und herzlichen Art sei Jürgen Engelmann ein großer Gewinn für den KSV gewesen, bedankte sich Wirth.
Zum Nachfolger als Zweiter Synodalältester wurde Julian Timmerberg (Johannes-Kirchengemeinde Hövelhof) gewählt. Der 29-jährige Bauingenieur ist Vorsitzender des Presbyteriums seiner Kirchengemeinde und war lange in der Jugendarbeit engagiert, so als Teamer in der Gemeinde und beim Konficamp des Kirchenkreises. Er wolle sich dafür einsetzen, dass Menschen so positive Erfahrungen mit Kirche machen könnten, wie er sie gemacht habe, sagte Timmerberg.

Superintendent Volker Neuhoff (l.) hat Julian Timmerberg als neuen Zweiten Synodalältesten in sein Amt eingeführt und gratulierte ihm zur Wahl.
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Zurzeit verhandelt der Kirchenkreis mit den Johannitern über einen Wechsel der Trägerschaft der 15 evangelischen Kindertageseinrichtungen. „Die Johanniter haben ein großes Interesse daran, dass der Prozess gelingt“, berichtete Superintendent Volker Neuhoff über den Stand der Gespräche. Es brauche aber mehr Zeit, unter anderem für eine gründliche betriebswirtschaftliche Betrachtung und die Berechnung des Bedarfs an Kitaplätzen. Der ursprünglich geplante Zeitpunkt für den Trägerwechsel müsse daher um ein Jahr auf das Kitajahr 2028/2029 verschoben werden.
Transformation ist unvermeidlich
Schwerpunktmäßig beschäftigte sich die Synode mit dem Thema Transformation. Pfarrer Dr. Steffen Bauer, der seit vielen Jahren als Experte das Thema in allen Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland begleitet, machte in seinem Impulsvortrag die Dringlichkeit einer Entscheidung deutlich. Eine Wahlmöglichkeit zwischen Transformation oder keiner Transformation gebe es nicht mehr, so Bauer. „Wir haben keine Zeit mehr.“ Immer neue Sparrunden laugten die Mitarbeitenden aus und würden das Unvermeidliche nur aufschieben, plädierte Bauer für einen grundlegenden Wandel. Über Veränderungen dürfe man aber nicht nur wegen knapper Ressourcen nachdenken, sondern unter der Fragestellung „Wie wollen wir Kirche sein?“ und „Was ist uns wichtig?“

In seinem Impulsvortrag machte Pfarrer Dr. Steffen Bauer deutlich, wie dringlich das Thema Transformation ist.
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Mit diesen Fragen setzten sich die Synodalen in mehreren Gesprächsrunden auseinander. Deutlich wurde dabei unter anderem der Wunsch, die Presbyterien von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit sie sich wieder stärker der inhaltlichen Arbeit widmen können und eine neue Struktur für die 13 Kirchengemeinden zu schaffen, die sich an den drei Regionen des Kirchenkreises orientiert. Zur nächsten Synode am 27. November 2026 soll die Arbeitsgruppe Transformation drei konkrete mögliche Szenarien dazu vorlegen.

„Wie wollen wir Kirche sein?“ Mit dieser Frage beschäftigten sich die Synodalen in Arbeitsgruppen.
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Eine Arbeitseinheit der Synode zum Thema Transformation stand unter der Überschrift „Wie stellen wir uns strukturell auf?“
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Am Ende der Tagung standen noch einmal Dankesworte vom und für den scheidenden Superintendenten. Synodalassessor Gunnar Wirth hob Volker Neuhoffs „Klarheit, Zuverlässigkeit und Konfliktbereitschaft in der Sache“ hervor. Er habe die Synode mit Energie und Lust am Gestalten geleitet. Neuhoff dankte der Synode und dem KSV für die Freude, gemeinsam für den Kirchenkreis gearbeitet zu haben.
