Superintendent mit Energie, Offenheit und Herzblut
Volker Neuhoff hat den Kirchenkreis Paderborn geprägt

Abschied: Superintendent Volker Neuhoff (6. v. r.) wurde von Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder (5. v. r.) von seinem Dienst entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet. Beteiligt am Gottesdienst in der Abdinghofkirche Paderborn waren (v. l.) Sonja Heine, Julian Timmerberg, Evelyne Schubert (Synodalälteste), Jürgen Engelmann (ehemaliger Synodalältester), Pastor Mehrdad Sepehri Fard, Synodalassessor Gunnar Wirth, Rolf Hellweg (Synodalältester), Scriba Patrizia Müller, Debbie Heinemann und Irmgard Alboth (Synodalälteste).
Foto: EKP/Oliver Claes
Paderborn/Kreis Höxter. (ekp/cla) „Wir hatten zehneinhalb bewegte Jahre miteinander, weil es in Kirche und Gesellschaft viel Bewegung gab, aber auch, weil Volker Neuhoff ein bewegter und bewegender Mensch ist“, sagte Synodalassessor Gunnar Wirth im Gottesdienst in der voll besetzen Paderborner Abdinghofkirche. Volker Neuhoff (65), seit Januar 2016 Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, wurde am 17. Juli 2026 durch die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Dr. Adelheid Ruck-Schröder, von seinem Dienst entpflichtet und offiziell in den Ruhestand verabschiedet.
Bewegung und Aufbruch
Den Boden unter den Füßen bewusst zu spüren, den eigenen Standpunkt zu klären und aufzubrechen an einem neuen Ort – das stellte Superintendent Neuhoff in den Mittelpunkt seiner Abschiedspredigt (2. Mose 3,1-15; 4,10-16 und Apostelgeschichte 8,26-40). Die biblischen Geschichten von Mose und dem brennenden Dornbusch und Philippus, der den äthiopischen Kämmerer tauft, berichten von der Dynamik des Glaubens. „Gott erscheint nicht nur, sondern setzt etwas in Bewegung. Meldet sich im profanen Alltag zu Wort, damit das Leben eine neue Richtung bekommt“, sagte Neuhoff. Er sei dankbar dafür, dass Gottes Geist ihn an verschiedene Orte und zu Menschen geführt habe, „mit denen mich das Gespräch über den Glauben, über die Folgewirkungen der Taufe und die Gestalt von Kirche in dieser Zeit verbindet“, so der Superintendent.
Den vollständigen Text seiner Abschiedspredigt können Sie hier nachlesen: Predigt Superintendent Volker Neuhoff

Superintendent Volker Neuhoff hielt in der Paderborner Abdinghofkirche seine Abschiedspredigt. Passend zum Thema der Predigt – den Boden unter den Füßen bewusst spüren und an einen neuen Ort aufbrechen – hatte er seine Schuhe ausgezogen und auf den Altarstufen abgestellt.
Foto: EKP/Oliver Claes
„Volker Neuhoff war mit Freude Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn“, betonte Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder. Seine leitende Frage sei dabei gewesen: „Was heißt, es als Christ in der Gesellschaft zu leben?“ Er habe sich als politischer Mensch verstanden, nicht aus Parteipolitik, sondern aus Verantwortung für das Ganze. Dabei habe Neuhoff sich nie gescheut, ein klares Wort zu sprechen, auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Ausschusses für politische Verantwortung der EKvW. „Ihnen liegt es am Herzen, dass die demokratische Mitte das Miteinander in unserer Gesellschaft stärkt“, unterstrich die Präses. „Volker Neuhoff wollte nah bei den Menschen sein; hören und sehen, wie es ihnen geht“, sagte Ruck-Schröder. Er habe ein Gespür für Aufbrüche, wie beim Social Media-Projekt und beim Zukunftsfonds „kirchewoanders“ des Kirchenkreises, oder bei der Persischsprachigen Seelsorge für geflüchtete Christinnen und Christen aus dem Iran und Afghanistan.

Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder entpflichtet den Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Volker Neuhoff, von seinem Dienst.
Foto: EKP/Oliver Claes
In Anerkennung seines herausragenden Dienstes verlieh Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder Superintendent im Ruhestand Volker Neuhoff das Bronzekreuz der EKvW.

Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder hat Superintendent im Ruhestand Volker Neuhoff für seine Verdienste das Bronzekreuz der Evangelischen Kirche von Westfalen verliehen.
Foto: EKP/Oliver Claes
Ein Freund klarer Worte
In einer Zeit, in der Krisen den Alltag bestimmten, suchten viele Menschen nach Halt und Orientierung. Glaube könne gerade jetzt einen moralischen Kompass und Anker geben, sagte Paderborns Bürgermeister Stefan-Oliver Strate vor rund 200 Gästen beim Empfang im großen Saal des Historischen Rathauses. „Volker Neuhoff hat über zehn Jahre Halt und Orientierung gegeben. Er war klar in seiner Haltung und bereit zum Dialog“, unterstrich der Bürgermeister. Er dankte Neuhoff für die Verbundenheit auch bei unterschiedlicher Meinung.
„Kirche ist kein starres Gebilde, sondern eine Gemeinschaft lebendiger Menschen“, sagte der Paderborner Dechant Benedikt Fischer mit Bezug auf das biblische Leitwort des Kirchenkreises vom geistlichen Haus aus lebendigen Steinen. „Volker Neuhoff hat in seiner Zeit als Superintendent an diesem geistlichen Haus gearbeitet und Menschen zusammengeführt“, so Fischer. Seine Amtszeit sei geprägt gewesen von der Haltung, dass Kirche sich einmischen müsse, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel stehe. „Ökumene zeigt sich im gemeinsamen Handeln“, betonte der Dechant und nannte als Beispiel das seit mehr als 20 Jahren bestehende Bündnis DGB und Kirchen mit seinen Paderborner Sozialkonferenzen. Fischer danke Neuhoff für seine ökumenische Offenheit. Vieles von dem, was er angestoßen habe, werde weiterwirken.
Energie, Offenheit und Herzblut – auf diese Begriffe brachte Synodalassessor Gunnar Wirth, die Amtszeit des Superintendenten. Neuhoff habe einen „unverwüstlichen Tatendrang“ und habe mit hoher Geschwindigkeit Veränderungen angestoßen. Er stehe für eine Kirche, die herausgehe aus ihren Mauern und offen sei für Verbindungen in die Gesellschaft. Die mobile Jugendkirche „Dome“ sei ein Sinnbild für Neuhoffs Traum von einer Kirche, die unterwegs sei. „Volker Neuhoff war mit Hingabe Superintendent“, sagte Wirth. Er habe mit Bedacht und theologisch reflektiert gehandelt, sei ein aufmerksamer Zuhörer und präziser Frager gewesen. „Volker Neuhoff hat den Kirchenkreis sehr geprägt“, betonte Wirth.
„Ich bin über 50 Jahre in der Kirche aktiv, davon mehr als zehn Jahre im Kirchenkreis Paderborn, und ich bin voller Dank“, sagte Volker Neuhoff. Er bedankte sich für den Austausch, das Vertrauen und die vielen Begegnungen, auch ökumenisch und multireligiös sowie im politischen Raum. „Diese Begegnungen sind wichtig, um den zerstörerischen Kräften in unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen zu können“, betonte Neuhoff.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Kreiskantor Tim Gärtner und dem Bläserkreis des Kirchenkreises geleitet von Kreisposaunenwartin Marianne Noeske. Das Duo Uli Lettermann (Saxophon) und Leander Lettermann (Klavier) begleitete musikalisch den Empfang.

Bei der Verabschiedung in Paderborn trafen sich: (v. l.) Superintendentin i.R. Anke Schröder (Amtsvorgängerin 2004-2015), Superintendent i.R. Volker Neuhoff (Amtszeit 2016-2026), Superintendent i.R. Christoph Berthold (Amtsvorgänger 1996-2004), Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder, die Superintendent Neuhoff von seinem Dienst entpflichtet hat und die frühere Präses Dr. h. c. Annette Kurschus, die Volker Neuhoff 2016 in sein Amt eingeführt hatte.
Foto: EKP/Oliver Claes