Zufluchtsort durch gelebte Integration zu neuer Heimat geworden
20 Jahre persischsprachiger Gottesdienst in Paderborn wurde gefeiert

Mit dem Pflanzen eines Apfelbaumes als Symbol wurden im Lukas-Zentrum 20 Jahre persischsprachige, christliche Gottesdienste und zehn Jahre Deutsch-Iranischer Christlicher Verein gefeiert. Mit dabei (v. l.): Mahbod Rasofi für die persischen Gemeindemitglieder, die Vereinsvorsitzende Fatemeh Saidi, die stellvertretende Bürgermeister Sabine Kramm, Pastor Mehrdad Sepehri Fard und Hans Möller für das Presbyterium der Lukas-Gemeinde.
Foto: Axel Langer
Von Axel Langer
Paderborn. „Dies ist ein besonderer Gottesdienst an einem besonderen Ort“, begrüßte Pastor Mehrdad Sepehri Fard zahlreiche Gäste im Paderborner Lukas-Zentrum. Darunter auch die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Kramm, Synodalassessor Gunnar Wirth und Pfarrer im Ruhestand Christoph Keienburg. Mit einer symbolträchtigen Aktion wurden 20 Jahre persischsprachiger, christlicher Gottesdienst sowie zehn Jahre Deutsch-Iranisch Christlicher Verein gefeiert. An den Festgottesdienst und einige Grußworte schloss sich ein kleines Fest auf dem Gelände des Lukas-Zentrums an.
In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Gunnar Wirth an die dramatische Geschichte, die viele geflüchtete Perserinnen und Perser durchlebt haben. „Sie wurden aus der Unterdrückung herausgeführt, aus den täglichen Gemeinheiten der Mullahs und Revolutionsgarden. Auch heute gibt es immer wieder Anfeindungen, glaubt doch das iranische Regime, es sei unbesiegbar. Christen fürchten die Zerstörung ihrer Kirchen und weitere Drangsalierungen“, nahm Wirth auch zur aktuellen Situation im Iran Stellung. Geflüchtete seien im Orient das Synonym für klein und fremd. Sie hätten oftmals geringere Rechte, was aber nicht nur für den Orient gelte. „Und nicht nur damals!“ umschrieb der Synodalassessor die Situation von Geflüchteten. Er machte deutlich, dass Jesus selber mit seinen Eltern vor den Morden des Herodes nach Ägypten geflüchtet war.
Pastor Mehrdad Sepehri Fard blickte auf die Anfänge der persischsprachigen, christlichen Gottesdienste zurück. „Am Anfang waren wir nur zu viert. Gebetskreise, Bibelstunden und regelmäßige Gottesdienste bildeten den Anfang. Die Geflüchteten aus dem Iran und Afghanistan fanden hier einen besonderen Ort. Aus Freunden wurden Geschwister“, so der Geistliche. Den Deutsch-Iranischen Christlichen Verein bezeichnete er als Brückenbauer zwischen den Menschen und den Kulturen. Besonderen Stolz empfand Pfarrer im Ruhestand Christoph Keienburg: „Die Gemeinden sind zusammengewachsen, das ist ein Wunder und keine Selbstverständlichkeit.“
Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Kramm unterstrich, dass im Lukas-Zentrum der Geist des Miteinanders lebe. Von diesem Geist brauche man mehr in Zeiten wie diesen. „Eine Stadt besteht aus Gebäuden und Straßen, aber vor allem aus Menschen, die eine Stadt mit Leben füllen“, so Sabine Kramm. Von einer absoluten Bereicherung für die Gemeinde sprachen die beiden Presbyterinnen Sabine Jujka und Krista Kunkel-Bäcker. Besonders beeindruckt zeigten sie sich davon, dass die persischsprachigen, christlichen Gottesdienste via Instagram weltweit übertragen werden. Beide dankten für den Einsatz der persischen Gemeindemitglieder beim Umbau des Lukas-Zentrums, aber auch bei vielen gemeinsamen Aktionen und Festen.
„Menschen mit gebrochenen Biografien nach Flucht haben hier Misstrauen in Hoffnung verwandelt. Hier konnten wir zum ersten Mal in unserer Muttersprache beten. Hier wurden Menschen getauft“, so Pastor Mehrdad Sepehri Fard. Im Laufe der Zeit wurden 300 persischsprachige Christen aus dem Iran und Afghanistan in Paderborn getauft.
„Unser Verein will Menschen aus dem Iran und Deutschland zusammenbringen und beide Kulturen vorstellen“, betonte Fatemeh Saidi als Vereinsvorsitzende. Dazu nehme man an vielen Veranstaltungen, wie dem Internationalen Fest der Begegnung oder dem Spielefest teil, aber auch iranische Kultur- und Literaturabende werden veranstaltet. Zahlreiche Gründungsmitglieder wurden von der Vorsitzenden geehrt.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde symbolträchtig ein Apfelbaum gepflanzt. „Das ist ein starkes Zeichen. Ein Apfelbaum braucht Pflege und wächst nicht an einem Tag. Dieser Tag ist ein Danktag und Auftrag. Integration ist mehr als Deutsch lernen und Arbeit finden. Hier wurden wir in eine gute Gemeinschaft aufgenommen“, so Pastor Mehrdad Sepehri Fard beim Pflanzen des Apfelbaumes.

Für Pastor Mehrdad Sepehri Fard wurden die geflüchteten Menschen aus dem Iran und Afghanistan in der Lukas-Gemeinde in eine gute Gemeinschaft aufgenommen.
Foto: Axel Langer

Im Anschluss an den Gottesdienst zum Jubiläum wurde im Garten des Lukas-Zentrums ein Apfelbaum gepflanzt.
Foto: Axel Langer
